Jeder kennt ihn, viele lieben ihn und seit einigen Jahren ist er wieder stark im kommen – die Rede ist natürlich vomGin. Als einer der Klassiker unter den Spirituosen ist der Gin eine beliebte Zutat für viele Cocktails und Longdrinks. Doch was ist Gin eigentlich, und wo kommt er her?

 

Von Medizin, über Gin-Epidemie zur Kultspirituose

 

Der heutige Name des Kultgetränks Gin leitet sich von "genièvre"dem französischen Wort für Wacholder ab, welcher das wohlwichtigste Aroma der Spirituose ist.

Dem niederländisch Arzt Franz de le Boë (1614-1672), auch bekannt als Dr. Franciscus Sylvius, wird oftmals die Erfindung des Genever, einem niederländischen Wacholderdestillat, welches als Vorläufer des Gin gilt, nachgesagt. Allerdings gilt dies wohl in der Realität nur für die ersten auf Getreide- statt Fruchtbasis destillierten Genevers. Die erste schriftliche Erwähnung einer ähnlichen Substanz stammt aus dem enzyklopädischen Werk  Der Naturen Bloem aus dem 13. Jahrhundert, und auch italienische Mönche sollen eine aus Wacholder gewonnene Spirituose bereits um 1350 zur Bekämpfung der Beulenpest angewandt haben. Erste Rezepte fand man im flämischen Een Constelijck Distileerboec aus  dem 16. Jahrhundert. Im 17. Jahrhundert verbreiteten niederländische und flämische Destillerien einen zweifach gebrannten Malzschnaps mit Wacholder und verkauften  diesen an Apotheken zur Behandlung von Magen- und Nierenproblemen, Gallensteinen und Gicht.

Englische Söldner brachten die Spirituose Genever nach deren Beteiligung im Achtzigjährigen Krieg zwischen 1568 und 1648 aus den Niederlanden nach England, wo sie sich nach kurzer Zeit größter Beliebtheit erfreuten, da es keiner Lizenz bedurfte sie herzustellen. Aufgrund von mangelndem Wissen seitens der Destillateure, enthielt dieser Gin noch zahlreiche Giftstoffe, welche einen bitteren Geschmack verursachten und mithilfe von Zucker überdeckt werden mussten. Eine ähnliche Art von Gin stellt die heute als Old Tom Gin bekannte Sorte dar. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kam der Spirituose auch zu Gute, dass König Wilhelm der III. von Oranien-Nassau nach dem Tod seiner Frau Maria II. zum König Großbritanniens wurde und die Spirituose aus seiner niederländischen Heimat vergleichsweise gering besteuerte. Aus dem niederländischen Genever entwickelte sich hier nun eine Variation, die heute als Gin bekannt ist. Dieser entwickelte sich rasch zum Problem, da er günstiger als Bier und somit leichter zugänglich für die ärmere Bevölkerung war. Diese Zeit ging wegen den verheerenden Folgen des übermäßigen Gin-Konsums auch als "Gin-Epidemie" in die Geschichtsbücher ein. Erst gesetzliche Maßnahmen im 18. Jahrhundert schafften Abhilfe.

Trotz seines schlechten Rufs bestand der Gin fort, und schafft es über die britischen Landesgrenzen hinaus in die USA, wo er während der Prohibition, dem landesweiten Verbot von Produktion, Verkauf und Konsum von Alkohol, als leicht illegal herzustellender Schnaps weite Verbreitung fand. Auch nach Ende des Verbots behielt der Gin, insbesondere als Zutat im Dry Martini Cocktail seine Beliebtheit bei, welche erst mit Aufkommen des geschmacksneutralen Wodkas abflachte. Dies zwang Gin-Hersteller in den 1980er Jahren mildere Varianten des zuvor mit starken Wacholderaromen ausgestatteten Gins herzustellen. Bereits seit einigen Jahren erlebt der Klassiker auch in Deutschland ein enormes Comeback dank zahlreicher kleinerer Destillerien, die hochwertige Gins herstellen.

 

Die Renaissance des Gins

 

Bereits seit einigen Jahren gewinnt der Gin in Deutschland und im internationalen Raum wieder an Bedeutung. 

Dank steigendem Gin-Absatz sprießen zahlreiche kleine Destillerien und Start-ups aus dem Boden und beginnen mit der Herstellung hochwertiger Gins - so auch die Altonaer Spirituosen Manufraktur von Stephan Garbe. Nur etwa 100 Liter passen in die kupferne Brennblase, sodass  in der kleinen ehemaligen Tischlerei in Hamburg eine geringe Menge des sehr aromatischen Gin Sul  entsteht. Dieses, von portugiesischem Gins inspiriertes, Wacholderdestillat wird   in traditionelle Tonflaschen abgefüllt, wie es auch bei seinem Urahn dem Genever der Fall war.

Anderswo, genauer in der rauen Vulkaneifel, haben kreative Köpfe einen einzigartigen Gin geschaffen. Der Gin der Windspiel Manufraktur fällt nicht nur wegen seinem edlen Design und interessanten Namen auf, sondern auch aufgrund seiner Zutaten. Die drei Gründer der Destillerie, Denis, Sandra und Tobias, hatten die Idee einen Gin auf Kartoffelbasis anstelle des üblichen Getreides zu produzieren. Mithilfe des erfahrenen Destillateurmeisters Holger Borchers setzten sie den Plan in Tat um. Der Legende nach frequentierte Friedrich der Große einst im 18. Jahrhundert in der Eifel und war von deren Kartoffeln so begeistert, dass er hieraus eine Spirituose herstellen lassen wollte. Das Verlangen wurde nie in Realität umgesetzt – bis es die Windspiels doch taten. Der Name des ersten Gins  Windspiel Premium Dry Gin  geht auf Friedrich des Großen anderer Liebe, den italienischen Windspiel Hunden, zurück.

Auch exotische Varianten der Wacholderspirituose werden in Deutschland hergestellt. Während einer Spanienreise kam Daniel Soumikh die Idee für seinen Tonka Gin – mit der feinen Vanillenote und Bittermandelaroma der in der spanischen Küche und Barszene verbreiteten Tonkabohne will er einen Gin kreieren. Nach zwei Jahren des Ausprobierens war die perfekte Kombination aus 23 Zutaten gefunden. So konnte im September des Jahres 2014 der erste Gin abgefüllt werden. Die eckigen Flaschen, die Soumikh für seinen Tonka Gin verwendet sind eine Hommage an die amerikanische Prohibition, da diese Flaschenform damals sehr beliebt war: Diese Flaschen ließen sich besser stapeln und schmuggeln. Vom Destillat, bis hin zur Abfüllung und Beschriftung der Seriennummer ist in der kleinen Destillerie bei Hamburg Handarbeit angesagt – Sorgfalt, die man schmecken kann!

 

Die tausend Aromen des Gins

 

Für die Herstellung der ersten Gin-ähnlichen Spirituosen wurde vermutlich eine reine Fruchtbasis verwendet. Heute wird meist hochprozentiger Agraralkohol aus Getreiden wie Gerste, Roggen, Weizen und Mais, seltener auch aus Zuckerrüben oder Süßkartoffeln, als Basis für Gin genutzt. Das Brennen erfolgt meist kontinuierlich durch Säulen-Destillation. Seinen Geschmack erhält der Gin durch die Zugabe der sogenannten Botanicals, Kräutern, Beeren, Rinden und Hülsen, welche ihre Aromen an den neutralen Basisalkohol abgeben. Die Namen gebenden Wacholderbeeren dürfen natürlich nicht fehlen und werden oftmals mit Orangen- und Zitronenschalen kombiniert. Doch der Kreativität sind hier kaum Grenzen gesetzt: Ob Kardamom, Koriander, Holunder, Anis oder Heidelbeeren, jeder Gin wird dank vielfältigen Kompositionen einzigartig. Aber wie kommen die Aromen nun in den Alkohol?

 

 

Wie der Geschmack in den Gin kommt

 

Um die Aromen in den Gin zu bekommen gibt es tatsächlich drei verschiedenen Verfahren, welche oft in Kombination angewandt werden: Einfache Destillation, Mazeration, Digestion, Perkolation.

Bei der einfachen Destillation werden die Botanicals direkt in der Brennblase destilliert und geben so ihre Aromen an den Agraralkohol ab.

Unter Mazeration, auch Kaltauszug genannt, versteht man das Pressen der Botanicals, welche im Anschluss gemeinsam mit dem kalten Alkohol in einen Tank oder Bottich gegeben werden. Die Mischung wird nun einige Tage oder auch Wochen stehen gelassen, sodass sich   die Aromen langsam lösen und in den Alkohol übergehen. Ist genügend Zeit verstrichen wird der so entstandene Gin gefiltert, verdünnt und abgefüllt.

Die Digestion, auch Heißauszug, läuft im Grunde genommen ähnlich ab, wie auch die Mazeration. Die Botanicals werden zerkleinert, gepresst und mit dem Alkohol vermischt, allerdings wird dieser nun auf 70° Celsius erhitzt, sodass sich die ätherischen Öle und Geschmacksstoffe lösen. Auch dieses Gemisch wird im Anschluss gefiltert und verdünnt, bevor es als Gin in die Flasche kommt.

Als drittes Verfahren kommt noch die sogenannte Perkolation in Betracht. Hierbei werden die Botanicals in einem Siebeinsatz eingefüllt und über die Brennblase gehangen, sodass der aufsteigende Alkoholdampf die Aromen löst.

 

Heißt es Gin, oder doch Destillierter Gin?

 

Gemäß der Verordnung (EG) Nr. 110/2008 des Europäischen Parlaments wird zwischen Gin und Destillierten Gin unterschieden, der weithin bekannte London Gin gehört zur Gruppe der Destillierten Gins. Die Bezeichnungen haben gemein, dass es sich offiziell um eine Spirituose mit mindestens 37,5% vol. Alkoholgehalt und vorherrschendem Wacholdergeschmack handelt, die mit Wacholderbeeren aromatisiert und nur durch natürliche oder naturidentische Aromastoffe ergänzt werden darf. Als Gin werden Spirituosen gekennzeichnet, die durch das Aromatisieren von Agraralkohol entstehen – Destillierter Gin dagegen, wird durch eine erneute Destillation des Alkohols gemeinsam mit den Botanicals erzeugt, dabei ist egal, wann die Botanicals dem Agraralkohol beigefügt werden. Die Reglementierungen beim London Gin, sind in Europa wohl die strengsten. Anders als es der Name vielleicht vermuten lässt, muss dieser Gin nicht etwa in London hergestellt werden, sondern besagt lediglich, dass alle Botanicals zeitgleich dem Agraralkohol zugefügt wurden und der Gin mindestens dreifach destilliert ist.

 

Der perfekte Gin-Genuss

 

Anders als viele andere Spirituosen wird Gin meist nicht pur konsumiert, sondern ist ein beliebter Bestandteil vieler Cocktails und Longdrinks. Der Gin Tonic (orig.  gin and tonic) ist wahrscheinlich der bekannteste Longdrink, und dass, obwohl er eigentlich aus einem gänzlich anderen Grund entstanden ist. Aber auch in Cocktails, wie dem French 75 oder dem Bramble kommt ein guter Gin hervorragend zur Geltung.

 

Die Cocktail-Legende Gin Fizz

 

Bereits 1867 wurde der Gin Fizz im legendären „Bartender‘s Guide des US-amerikanischen Barkeepers Jerry P. Thomas erwähnt. Der Cocktail wurde zunächst als alkoholhaltige Limonade genossen, bevor er in amerikanischen und internationalen Bars seinen Platz einnahm.

 

Gin Fizz – Das Rezept

 

Zutaten:

5cl  Ziegler Gin3

3cl Zitronensaft

2cl Zuckersirup

10cl gekühltes Soda

Eiswürfel

Zitronenscheiben zur Dekoration

 

Zubereitung:

1. Gin, Zitronensaft und Zuckersirup, sowie einige Eiswürfel im Shaker schütteln.

2. Durch ein feines Sieb ins Glas geben.

3. Nach belieben Eiswürfel hinzugeben.

4. Den Drink mit Soda auffüllen.

 

Von Malaria bis zum Gin Tonic

 

Die in Indien stationierten Soldaten des britischen Empires des 19. Jahrhunderts hatten es nicht nur mit tropischen Temperaturen zu tun, sondern auch mit exotischen Krankheiten wie Malaria. Ein wirksames Mittel war das aus der Rinde des Chinarindenbaums gewonnenen Chinin, welches meist als Pulver in Wasser aufgelöst wurde. Um den bitteren Geschmack des Chinins zu verbessern mischte man Zucker in das stille Wasser, welches später durch kohlensäurehaltiges Wasser ersetzt wurde. Das so entstandene, immer noch recht bittere Tonic Water wurde nun auch mit dem damals recht süßen Gin gemischt, um den Geschmack weiter zu verbessern: Der  Gin Tonic  war geboren. Der Longdrink erfreut sich heute wieder zunehmender Beliebtheit und galt als das Lieblingsgetränk der Queen Mum (1900-2002).

Auch heute noch enthält das Tonic Water einen geringen Anteil von Chinin um den leicht bitteren Geschmack zu erreichen. Da Chinin unter UV-Strahlung fluoresziert, leuchten mit Tonic Water versetzte Drinks unter Schwarzlicht hellblau auf. Nutzen Sie doch das  Windspiel Genusspaket Gin und Tonic  um diesen klassischen Longdrink zu probieren. 

 

 

Gin Tonic – Das Rezept

Zutaten:

4cl  Windspiel Premium Dry Gin

Tonic Water im Verhältnis 1:1 bis 1:3

Eiswürfel

 

Zubereitung:

1. Um die Schmelzwasserabgabe beim Eis gering zu halten, sollte das Glas vorab gekühlt werden.                                        

2. Erst den Gin ins Glas geben und möglichst langsam mit dem Tonic Water auffüllen, sodass möglichst wenig Kohlensäure entweicht.

3. Das Glas nun langsam mit Eiswürfeln auffüllen und verrühren.

4. Zum Schluss den Longdrink ganz klassisch mit Zitronenstücken, oder Gurkenscheiben garnieren.

 

Ein französisch-amerikanischer Drink

 

Der French 75 war im Ersten Weltkrieg einer der beliebtesten Drinks amerikanischer und französischer Piloten und wurde nach dem französischen Geschütz  Canon de 75 Modèle 1897 benannt. Der Name bezieht sich unter anderem auf die stark alkoholisierende Wirkung des Cocktails, da der Drink nicht nur Gin, sondern auch Champagner beinhaltet. Die International Bartender Association (IBA) führt diesen Cocktail aus dem frühen 20. Jahrhundert als Contemporary Classic(etwa zeitgenössischer Klassiker).

 

Der French 75 - Das Rezept

 

Zutaten:

3cl  Tonka Gin

1,5cl Zitronensaft

2 Spritzer Zuckersirup

6cl Champagner

Eiswürfel

 

Zubereitung:

1. Den Gin, Zitronensaft und Zuckersirup mit viel Eis in einem Shaker gut schütteln.

2. Anschließend durch eine feines Sieb in ein vorgekühltes Champagnerglas geben.

3. Das Glas langsam mit Champagner auffüllen und servieren.

 

Ein beeriges Vergnügen

 

Wer es etwas fruchtiger mag, der ist mit dem Bramble (von engl.brambleberry  für Brombeere) richtig beraten. Mit frischen Brombeeren und hochwertigem Gin ist dieser Cocktail der Beweis, dass Gin eben mehr kann als nur Gin Tonic.

 

Der Bramble - Das Rezept 

 

Zutaten:

5cl  Curzola 1298 Gin Trocken

2cl Zitronensaft

1cl Zuckersirup

4-5 Brombeeren

Eiswürfel

 

Zubereitung:

1. Die Brombeeren in ein Glas geben und leicht zerstoßen.

2. Das Glas mit Crushed Ice füllen.

3. Gin, Zitronensaft und Zuckersirup direkt ins Glas geben und leicht umrühren.