Der fränkische Bocksbeutel

Geschichte

BocksbeutelDie Entstehungsgeschichte des Bocksbeutel Weins geht bis ins Mittelalter zurück. Im Zuge der Christianisierung des Frankenreiches wurden zahlreiche Klöster gegründet und die Ordensleute wollten ihren eigenen Messwein produzieren.

Hammelburg ist die älteste Weinstadt Frankens. Laut einer Schenkungsurkunde Kaiser Karl des Großen, wurden im Jahre 776 Weinberge an das Kloster Fulda geschenkt. Wenige Jahre später war der Wein in Würzburg angekommen und die ersten Weinreben wuchsen am Würzburger Stein, bis heute eine der ältesten Weinlagen Deutschlands, Im Jahr 974 wurden die Weinberge ins Maintal, den Steigerwald und dem Obermain ausgedehnt.

Der staatliche Hofkeller Würzburg ist laut einer Schenkungsurkunde aus dem Jahre 1127 das älteste urkundlich belegte Weingut Deutschlands. Bereits 200 Jahre später gilt Wein in Franken als Volksgetränk und erlebt bis zum 16. Jahrhundert seine Blütezeit. Zu diesem Zeitpunkt wird auf einer Fläche von 40.000 ha in über 600 Orten Wein angebaut.
Bereits im 17. Jahrhundert ist ein erster großer Rückgang von fränkischem Weinbau erkennbar. Die Verwüstung durch den 30-jährigen Krieg und die damit verbundenen Plünderungen trugen dazu bei. Desweiteren war in diesem Jahrhundert auch eine Verschlechterung der klimatischen Bedingungen zu verzeichnen, was in der Folge nahezu zum Erliegen des Weinbaus in Ober- und Mittelfranken führte.

Erste Hinweise auf die Bocksbeutelflasche sind im Handwerker- und Ökonomiebuch des Wertheimer Glasmachers Mathis Wenzel zu finden, der diese als runde Flasche beschreibt, die dem Hodensacks eines Ziegenbocks nachgeahmt ist. Urkundlich wird der Bocksbeutel erstmals am 5. April 1659 erwähnt.
Im Jahre 1728 fasste der Würzburger Stadtrat den Beschluss, dass es nur erlaubt ist, Weine der Lage “Würzburger Stein” in Bocksbeutel zu füllen. Der sogenannte “Steinwein” wurde somit in Bocksbeutel abgefüllt und versiegelt. Das Siegel wurde eingeführt, da oft betrügerische Wirte schlechten Wein, verschiedener Herkunft, als Bocksbeutelwein verkauft haben, was in der Folge zur Rufschädigung von fränkischem Wein führte.

Auf Grund der Vereinigung des Herzogtums Bayern und der Pfalz, sowie der Auflösung zahlreicher Klöster unter der Herrschaft von Napoleon ging die Nachfrage nach Frankenwein und damit auch nach Bocksbeutelwein Ende des 17. Jahrhundert deutlich zurück. 
Trotz einer beinahe Halbierung der Rebfläche wird 1836 der fränkische Weinbauverband in Würzburg gegründet. Die Ausbreitung und der Befall von Pilz und der Reblaus richten Ende des 18. Jahrhunderts große Schäden in den Weinbergen an, so dass die Trauben- und Weinerzeugung kaum noch möglich war. 
Kurze Zeit später eroberte dennoch der Müller-Thurgau Franken. Durch den Wiederaufbau und die Förderung von Erzeugergemeinschaften, sowie dem Einsatz moderner Produktionsmittel feierte der Frankenwein in den 1960er Jahren sein Comeback. Seit 2013 können 5.000 Winzerbetriebe verzeichnet werden, die mit 20 Millionen Literflaschen und 20 Millionen Bocksbeutel einen Jahresumsatz von 200 Millionen Euro erwirtschaften.

Herkunft der Bezeichnung

Der Name Bocksbeutel kann von diversen Wörtern abgeleitet werden. Die Bezeichnung kann auf das niederdeutsche Wort Booksbüdel (Bücherbeutel) zurückgeführt werden, oder aber auch auf eine antike Mythologie, die den Ziegenbock als Begleittier des Weingottes Dionysos beschreibt. Der Ziegenbock spielt in der Namensgebung somit eine wichtige Rolle, denn der Bocksbeutel wurde dem Hodensack eines Ziegenbocks nachgeahmt.

Ferner ist es möglich, dass der Name auf alte, lederne Feldflaschen zurückzuführen ist. Bereits Pilger trugen Flaschen aus Glas oder Keramik mit sich, um auch außerhalb des Hauses trinken zu können.

Erkennungsmerkmal

Der Bocksbeutel ist ein Merkmal für Qualitätswein aus bestimmten Anbauregionen, sowohl mit als auch ohne Prädikatsauszeichnung. Meist werden Große Gewächse vom Würzburger Stein in den markanten Bocksbeutel abgefüllt.

Laut einem Beschluss des Europäischen Gerichtshofes ist der Bocksbeutel innerhalb der Europäischen Union ein urheberrechtlich geschützter Begriff. Das heißt, dass nur Weine aus Franken und teilweise Baden - aus dem badischen Tauberland, Schüpfergrund und den Gemeinden Neuweier, Steinbach, Umweg und Varnhalt - in einen Bocksbeutel abgefüllt werden dürfen.
Das auffälligste Erkennungsmerkmal des Bocksbeutels ist seine kugelige Form mit flachem Stehboden und flachgedrückter Flaschenform sowie dem kurzen Röhrenhals. Der Vorteil besteht darin, dass der Bocksbeutel nicht wegrollen, sowie eng am Körper getragen werden kann.

Bocksbeutelwein ist in verschiedenen Größen erhältlich. Beginnend bei 0,25 Liter und 0,375 Liter, die meist zum Probieren von Weinen oder zur Abfüllung von edelsüßen Weinen verwendet werden. Weiters gibt es auch 0,5 Liter Bocksbeutel, die jedoch sehr selten sind und bei qualitativ hochwertigen Weinen verwendet werden, um den Preis nicht zu hoch ansetzen zu müssen. Am häufigsten wird der Bocksbeutel mit einem Fassungsvermögen von 0,75 Liter verwendet. Selten gibt es Bocksbeutelwein auch in der Magnum-Ausführung mit 1,5 oder 3 Liter Inhalt.

Neues Design des Bocksbeutel Weins

Da der Bocksbeutel Alleinstellungsmerkmal für Frankenwein ist, wurde die herkömmliche Flasche einem Redesign unterzogen. Nachdem es bei der Produktion der neuen Bocksbeutelflasche technische Probleme gab und diese den Glasbruch-Test anfangs nicht bestanden haben, wurde der “Bocksbeutel PS”, ein Jahr verspätet, am 18.12.2015 vorgestellt. Der neue Bocksbeutel überzeugt mit seinem schlanken, sowie modernen Design.

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