Der Weinmarkt in Deutschland konzentriert sich traditionell auf Weißweine, welche bei deutschen Weintrinkern besonders beliebt sind. Trotz alledem wird die Rotweinherstellung zunehmend wichtiger, da der deutsche Rotwein, vor allem der trockene, stetig an Qualität dazugewinnt. Somit liegt das Rotwein-Weißwein-Verhältnis in Deutschland mittlerweile bei 34:66, Tendenz steigend. Insbesondere das Angebot von qualitativ hochwertigen trockenen Rotweinen nimmt zu, da viele Winzer ihr Können diesbezüglich erweitern und heute durch die Klimaerwärmung Rebsorten reifen können, deren Anbau vor 20 Jahren noch undenkbar gewesen wäre.

 

Aber was ist trockener Rotwein eigentlich und was macht diesen aus? Grundsätzlich gilt: Je reifer die Trauben, desto süßer. Das bedeutet, sie enthalten mehr Glucose, welche später, soweit möglich, in Alkohol vergoren werden kann. Bei trockenem Rotwein geschieht dies so lange, bis ein Großteil der Glucose vergoren ist, sodass der Wein am Ende eine relativ geringe Restsüße von 1-9 g/L besitzt. Die rote Farbe erhält der Rotwein von den Farbstoffen der Beerenschalen – je länger die Beerenschalen bei der Gärung immer wieder mit dem Wein vermischt werden, desto mehr Farbstoffe geben sie an den Wein ab – der Wein bekommt dadurch seine typisch rote Farbe.

 

Betrachtet man trockene Rotweine in Deutschland, ist der Spätburgunder ganz klar ein Vorreiter: Schon vor rund 2000 Jahren nutzte man den Spätburgunder, vermutlich erstmals in Gegenden von Frankreich bis in die Schweiz, zur Herstellung von sowohl trockenen als auch süßen  Rotweinen. Schon damals überraschte der Spätburgunder hierbei mit seiner Vielfältigkeit. Erst einige Jahrhunderte später wurde es durch klimatische Veränderungen als Resultat der Erderwärmung möglich, rote Rebsorten wie den Spätburgunder auch in Deutschland anzubauen, um diese hauptsächlich zu trockenem Rotwein weiterzuverarbeiten.

 

Der Spätburgunder ist die hochwertigste rote Rebsorte in Deutschland und wird größtenteils zu trockenem Rotwein mit sehr geringer Restsüße (ca. 2g/L) verarbeitet. Aufgrund seiner dünnhäutigen Beeren verlangt der Spätburgunder sorgsame Pflege und ein geübtes Händchen des Winzers. Seine Empfindlichkeit auf Temperaturschwankungen erschwert die Verarbeitung dieser beliebten Rebsorte, was sie zu einer der anspruchsvollsten macht. Die Arbeit lohnt sich: der vollmundige Geschmack mit Aromen von roten Früchten gibt den, aus Spätburgundern hergestellten, Rotweinen das gewisse Etwas. Die, von deutschen Winzern auf weltweiten Reisen erlangte, internationale Erfahrung trägt dazu bei, dass der deutsche Spätburgunder auch in Deutschland zu immer besseren  trockenen Rotweinenverarbeitet wird.

 

Neben dem  Spätburgunder ist vor allem der Dornfelder eine in Deutschland beliebte Rebsorte und wird größtenteils zu trockenen Rotweinen verarbeitet. Seine tiefdunkle Farbe ist charakteristisch für den Dornfelder und auch bei ihm ist eine gewisse Wandelbarkeit hervorzuheben. Durch den Einsatz verschiedener Ausbaustile besteht die Möglichkeit, entweder den Gerbstoffanteil des Dornfelders  herauszuarbeiten, oder seine Aromen dunkler Früchte, wie Brombeeren oder Holunder, zu betonen. So entstehen verschiedenste Aromen, die so dem Weingenießer eine geschmackliche Vielfalt bieten.

 

Auch der Portugieser erfreut sich großer Beliebtheit und wird, wie der Spätburgunder und der Dornfelder, ebenfalls hauptsächlich zur Herstellung von trockenem Rotwein verwendet. Zwar nahm die Beliebtheit der ursprünglich aus Slowenien stammenden Rebsorte in Deutschland in den 70er Jahren etwas ab, aber in den 90er Jahren gewann sie ihr Ansehen durch bessere Vinifizierung nach und nach zurück und ist noch heute die drittbeliebteste rote Rebsorte Deutschlands.

 

In Bezug auf trockenen Rotwein ist der Schwarzriesling nicht zu vergessen: eine vor allem in Württemberg oft eingesetzte Alternative zum Spätburgunder. Man darf sich vom Namen des Schwarzrieslings nicht täuschen lassen, denn er ist nicht, wie oftmals vermutet, mit dem Riesling verwandt. Die beiden Rebsorten teilen sich lediglich die späte Reife und die Traubenform. Die aus dem in Deutschland weit verbreiteten Schwarzriesling hergestellten meist trockenen Rotweine zeugen von zartfruchtigen Aromen, welche dem Spätburgunder ähneln. Qualitativ ist der Schwarzriesling dem international renommierten Spätburgunder zwar unterlegen, da er dessen Komplexität nicht erreicht, aber der Anbau ist hierzulande für die Winzer sehr viel unproblematischer als der Spätburgunder.

 

Abgesehen von in Deutschland weit verbreiteten Rebsorten wie dem Spätburgunder, dem Dornfelder, dem Portugieser und dem Schwarzriesling, gibt es den Trend, immer mehr internationale Rebsorten anzubauen: Syrah, Merlot, Malbec oder Cabernet Sauvignon ergeben auch außerhalb ihrer Heimat sehr kraftvolle trockene Rotweine. Die sich verändernden klimatischen Bedingungen erlauben zunehmend, diese sehr gefragten Rebsorten in deutschen Weinbergen anzubauen.

 

Zwar gibt es bei einigen Weingenießern das Klischee, dass Rotwein eher ein Winterwein sei, was jedoch nicht zutrifft, denn es gibt viele sommerlich leichte Rotweine. Zudem kann man hohen Temperaturen auch gut dazu übergehen, den Wein leicht zu kühlen. Der Trollinger und der Spätburgunder eignen sich mit ihrer zarten Frucht hervorragend für den Sommer. Neben dem puren Genuss setzt man den Portugieser, sowie den Dornfelder oder den Schwarzriesling, gerne zum Mischen von spritzigen Rotweinschorlen ein, wodurch auch diese trockenen Rotweine zu wahren Sommerlieblingen gezählt werden können.


Ob traditionell deutsch oder international geprägt: Deutschlands Weinberge und Winzer haben viel Entdeckenswertes zu bieten, was trockenen Rotwein betrifft. Die zunehmende internationale Erfahrung der Winzer und die sich verändernden Wetterbedingungen schaffen das Potenzial für den Anbau neuer Rebsorten. Da viele sonnige Lagen für weiße Rebsorten zunehmend kritisch werden, ist der Trend zum trockenen Rotwein schon jetzt klar vorgegeben. Gehen Sie auf Entdeckungsreise und staunen Sie über die neue, deutsche Weinvielfalt!