Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien: Vom Freyburger Gründerbetrieb zum deutschen Marktführer
Als nach der deutschen Wiedervereinigung die bisherigen Absatzwege wegbrachen, stand die Rotkäppchen Sektkellerei vor einer ihrer schwersten Bewährungsproben. Die Verkaufsmenge sank auf drei Millionen Flaschen, 300 der damals 360 Mitarbeiter verloren ihre Arbeitsplätze. Einige Beschäftigte verkauften den Sekt zeitweise aus dem Kofferraum, um zu zeigen, dass Rotkäppchen noch da war. 1993 übernahmen fünf leitende Mitarbeiter gemeinsam mit der Unternehmerfamilie Eckes-Chantré den Betrieb. Dieser Management Buy-out wurde zum Wendepunkt einer Geschichte, die bereits 1856 in Freyburg an der Unstrut begonnen hatte. Weiterlesen
Dort gründeten die Brüder Moritz und Julius Kloss mit ihrem Freund Carl Foerster zunächst eine Weinhandlung. Aus Freyburger Trauben erzeugten sie bald darauf ihren ersten Schaumwein und legten damit den Grundstein für die spätere Sektkellerei. Der Name Rotkäppchen entstand erst 1894. Nach einem Streit um die Bezeichnung „Monopole“ erhielt der Sekt seinen neuen Namen nach der roten Kappe auf der Flasche. 1948 wurde der Eigentümer Günther Kloss enteignet und die Kellerei in einen Volkseigenen Betrieb umgewandelt. In der DDR entwickelte sich Rotkäppchen zum größten Sekthersteller des Landes und verkaufte 1988 rund 15,5 Millionen Flaschen.
Nach dem Neubeginn investierte das Unternehmen in moderne Produktionsanlagen und erweiterte Schritt für Schritt sein Markenportfolio. 2002 übernahm die Kellerei die Marken Mumm, Jules Mumm und MM Extra sowie die Standorte Eltville und Hochheim. Später kamen unter anderem die Geldermann Privatsektkellerei in Breisach und die traditionsreiche Prosecco-Kellerei Ruggeri hinzu. Seit 2006 gehören auch Qualitätsweine zum Geschäftsfeld der Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien. Das heutige Weinangebot umfasst Erzeugnisse aus Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien. Bei Rotkäppchen selbst prägen deutsche Rebsorten wie Riesling, Grauburgunder, Müller-Thurgau, Spätburgunder und Dornfelder das Sortiment. Hinzu kommen klassische Sekte, Flaschengärungen, Jahrgangssekte, weinhaltige Getränke und entalkoholisierte Alternativen.
Der historische Stammsitz in Freyburg bleibt eng mit der Entwicklung des Unternehmens verbunden. Teile der alten Kelleranlagen wurden zu einer 1.400 Quadratmeter großen Erlebniswelt ausgebaut. Für die erfolgreiche Entwicklung vom beinahe abgewickelten DDR-Betrieb zum deutschen Marktführer für Sekt und Markenwein erhielt Rotkäppchen-Mumm 2025 den Sonderpreis des Deutschen Gründerpreises.