Kranke RebeAls ob Sie ein Buddhist wäre, wird die Rebe jedes Jahr aufs Neue wiedergeboren.

Sie lebt in dem Wein, der aus ihrem früheren Leben stammt, weiter.

In der Zeit, in der die Rebe schläft, wenn es keine Weintrauben gibt, im Winter, wenn der Weinstock ausgetrocknet ist, als hätte ihn eine Katastrophe getroffen, ist sie relativ gut geschützt vor Wind und Kälte (-15°-20°).Man kann in der Winterruhe nicht sagen, ob sie tot oder lebendig ist.

Die Reben werden von den ersten Sonnenstrahlen des Frühjahrs wieder erweckt.

Der Boden erwärmt sich und eine ganz kleine Wärme durchfährt den Weinstock, ein Gefühl, das ihn wieder mit Lebensenergie versorgt, die Vorstellung über die in Zukunft knospenden Trauben. Er wird wiedergeboren und pumpt aus dem Boden Pflanzensaft in seine Adern. Bald darauf will er ausbrechen, seine Triebe ausbreiten, blühen, bestäubt und befruchtet werden.

In dieser Teenagerphase hat die Kälte ihn, dieses Jahr in den ersten Nächten des Monats Mai, eiskalt erwischt.

Das Blut der Rebe, ist ihr Pflanzensaft, wenn dieser gefriert, dehnen sich die prall gefüllten Pflanzenzellen so lange aus, bis sie dem Druck nicht mehr standhalten können, dann brechen sie auf und das Pflanzengewebe stirbt ab.

Die Verletzungen sind irreversibel und führen je nach Intensität und Verteilung zum Absterben von ganzen Rebstöcken oder Teilen.

Viele Reben haben Beiaugen an den Fruchtruten und schlafende Augen im Stammbereich. Wenn die Rebe nur so viel Überlebenssinn generieren kann, um diese austreiben zu lassen, dann kann im folgenden Jahr wieder ein Stockaufbau erfolgen und der Kreislauf von Tod und Wiedergeburt ist nicht gebrochen.